DIE LINKE.SDS Herbstakademie 2009 "Marx neu entdecken" vom 29.09. bis 1.10. in Berlin

»Marx in der Pampa« - junge Welt berichtet über Herbstakademie

Montag 6. Oktober 2008 von Redaktion

120 Studenten und Interessierte beschäftigten sich auf der Herbstakademie des Hochschulverbands Die Linke.SDS mit marxistischer Theorie

Von Sarah Nagel

Im Heinrich-Hansen Haus liegen in allen Ecken Bände des »Kapitals« von Karl Marx verstreut. Junge Menschen diskutieren beim Mittagessen über Foucault. »Marx an die Uni« steht auf einem Transparent. »Ich denke, daß die Theorie nötig ist, um die Gesellschaft zu ändern, damit wir nicht unsere Kräfte an den falschen Stellen verausgaben«, sagt Hans aus Dresden. So wie er sind Linke aus ganz Deutschland vom 1. bis zum 5. Oktober nach Hörste bei Bielefeld gekommen, um unter dem Motto »Marx neu entdecken« gemeinsam mit Wissenschaftlern über die Analyse und Kritik des Kapitalismus zu diskutieren. Sie bereiten die Kapital-Lesebewegung des Studierendenverbandes Die Linke.SDS vor.

An 30 Hochschulen werden sich ab Oktober Studierende treffen, um gemeinsam »Das Kapital« zu lesen. Die Lesekreise sind bundesweit über eine Internetseite vernetzt. Im nächsten Jahr soll es eine gemeinsame Auswertungskonferenz geben. Eine derartige Kapital-Lesebewegung gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Unterstützt wird sie von einer Reihe bekannter kritischer Wissenschaftler, von denen einige, wie Elmar Altvater oder Michael Heinrich, auch auf der Herbstakademie sprachen.

Viele wollen in den Lesekreisen mitmachen, weil sie im Alltag an der Hochschule keine Möglichkeit haben, sich mit kritischer Theorie zu beschäftigen. »Ich komme im Physikstudium natürlich nicht mit Marx in Kontakt. Durch die Abschottung der Studiengänge voneinander wird es Naturwissenschaftlern schwer gemacht, sich mit gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinander zu setzen«, erklärt Hans. Und selbst Geisteswissenschaftler haben oft nicht die Möglichkeit dazu, da kritische Wissenschaft an den Hochschulen zurückgedrängt wird.

Neben Marx standen auch andere Themen auf dem Programm. Am Freitag abend diskutierten zum Beispiel die Gewerkschafterin Gisela Kessler und der Politikwissenschaftler Alex Demirovic mit den Teilnehmern über Kapitalismuskritik und Feminismus. Im Mittelpunkt stand nicht zuletzt die Frage, wie diese Kritik im eigenen Verband und darüber hinaus in der Gesellschaft verwirklicht werden soll. »Für mich war der wichtigste Moment der Frauenstammtisch. Ich habe das Gefühl, daß sich mehr Frauen mit Geschlechterpolitik auseinandersetzen, als ich gedacht hatte. Daraus nehme ich Motivation nach Köln mit«, meint die Studentin Carina. »Man sieht, daß sich im SDS thematisch etwas tut, wir unsere Kompetenzen ausbauen und es dadurch auch machbar wird, die Kapital-Lesebewegung zu organisieren – und sich die Leute letztendlich auch an ein solches Projekt herantrauen.«

Mehr Informationen findet ihr unter www.kapital-lesen.de


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